
Geschichte der Diakonie
Im 19. Jahrhundert bildeten sich vor dem Hintergrund vielschichtiger gesellschaftlicher Veränderungen viele Anstalten für Krankenpflege, Kindererziehung, Seelsorge und Mission heraus. Diese Einzelinitiativen wurden 1848 von Johann Hinrich Wichern in einem gemeinsamen Programm zusammen gefasst. Er legte mit der Gründung des Central-Ausschusses für Innere Mission (CA), dem Vorläufer des Diakonischen Werkes der EKD, den Grundstein für die Entwicklung eines großen Netzwerkes mildtätiger Initiativen innerhalb der evangelischen Kirche in Deutschland.
Im Kaiserreich und unter der Sozialgesetzgebung Bismarcks kam es zu einem weiteren Ausbau des CA. Die Arbeits- und Tätigkeitsfelder wurden differenzierter und professioneller. Nach dem ersten Weltkrieg bildeten konfessionelle Einrichtungen wichtige Säulen sozialer Arbeit in der Weimarer Republik. Auch im europäischen Bereich konnte die Innere Mission (IM) ihre Tätigkeiten durch Vernetzung mit entsprechenden Initiativen ausbauen und förderte diakoniewissenschaftliche Einrichtungen und Forsschungen.
Nach der Weltwirtschaftskrise und während der Zeit des Nationalsozialismus wurden viele Wohlfahrtsverbände verboten. Auch wenn es bei der Inneren Mission aufgrund ihrer Größe nicht gelang, wurde ihre Arbeit durch verschiedene Maßnahmen, wie der Schließung ganzer Einrichtungen, stark behindert und eingeschränkt. Nach dem Krieg sah man sich unüberschaubarer Not und Elend gegenüber. Die akute Nothilfe und der kirchliche Wiederaufbau wurden vor allem von Spenden aus dem Ausland unterstützt.
Der Begriff "Diakonie" wurde später als Wesenszug und Grundstruktur von Kirche zur Geltung gebracht sowie zum Programmbegriff erhoben. Außerdem sollte die diakonische Verantwortung ausgeweitet werden.
In der BRD wurde den Verbänden der freien Wohlfahrtspflege eine bedingte Vorrangstellung bei der Übernahme sozialer Aufgaben vor dem Staat eingeräumt (Subsidiaritätsprinzip). In den 1960-er und 1970-er Jahren wuchs mit den Aufgaben auch die Mitarbeiterzahl. Gleichzeitig nahmen Professionalisierung und Akademisierung der Mitarbeiter zu. 1975/76 kam es dann mit dem Zusammenschluss des CA und dem Hilfswerk der Evangelischen Kirchen in Deutschland zur Gründung des Diakonischen Werks der Evangelischen Kirche in Deutschland.
In der DDR konzentrierten sich diakonische Tätigkeiten vor allem auf Behindertenhilfe und Seelsorge. Die Aktion "Brot für die Welt" wurde auch hier gegründet und 1969 vollzog sich die Grüdnung des Diakonischen Werkes – Innere Mission und Hilfswerk – der Evangelischen Kirchen in der DDR aus dem Zusammenschluss von CA und Hilfswerk in der DDR.
Mit der Vereinigung der beiden deutschen Staaten kam es auch zu einer Vereinigung der Diakonien von Ost- und Westdeutschland. Vor dem Hintergrund sich ändernder gesellschaftlicher und sozialstaatlicher Rahmenbedingungen und demographischer Veränderungen bemühen sich die Einrichtungen um eine neue Ausrichtung und Profilierung. Zunehmender ökonomischer Druck und europäische Rahmenbedingungen stellen neue Herausforderungen und Chancen dar.
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